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Wie die Tahitiperlen in europäische Hände gelangten

Samstag, 20. Juni 2009 | Autor: yung

Lange Zeit galt die schwarzlippige Perlmuschel auf Tahiti und den umliegenden Inseln Polynesiens als nichts Besonderes, das heißt, sie wurde zwar verwendet, aber man wusste, sie ist im Überfluss vorhanden und damit gab man sich zufrieden. Man verwendete die Muschel selbst für die Produktion von Haushaltsgeräten oder auch um die Fischernetze zu beschweren.

Sicherlich, auch die Tahitiperlen wurden für die Herstellung von Schmuck verwendet, aber der Schmuck wurde nicht exportiert oder zu hohen Preisen gehandelt. Die Tahitiperlen gab es im Überfluss und deshalb verwendete man sie natürlich auch für die Herstellung von Schmuck. Die Tahitiperlen wurden als Ohrschmuck verwendet, indem man sie in ein kleines Bündel Haare einflocht.

Vor allem Frauen trugen die Tahitiperlen als Ohrgehänge, denn sie durften im Gegensatz zu den Männern keine Vogelfedern als Schmuck einsetzen.

Ende des 18. Jahrhunderts kamen die ersten Europäer in die Südsee und nach Tahiti, sie wurden schnell auf die wunderschönen Tahitiperlen aufmerksam und schon nach kurzer Zeit wurde der traditionelle Schmuck aus Tahitiperlen in Museen in England und Deutschland ausgestellt.

Wenige Jahre nach der Entdeckung der Tahitiperlen durch die Europäer, begannen diese mit der systematischen Ausbeutung der Tahitiperlen.

Die Austern im Roten Meer, bei Persien oder in der Karibik hatte man schon seit Jahrzehnten abgesucht und die Bestände gingen zurück. Dort waren keine Perlen mehr zu holen, also verlegte man die Ausbeutung nach Französisch Polynesien.

Ganze Schiffe voll mit Lebensmitteln, Alkohol, Waffen und Kleidung tauschten Europäer und Amerikaner gegen Tahitiperlen.

Man muss sich vorstellen, dass oft an einem Tag eine gute Tonne Perlmuscheln geerntet wurde. Dreißig Mann arbeiteten den ganzen Tag über. Wenn man bedenkt, dass eine Muschel bis zu fünf Kilogramm wiegt, dann kann man sich ausrechnen, wie viel Stück aus dem Meer geholt wurden.

Logischerweise entwickelte sich aus dieser Gier der Europäer auch ein Tauschhandel bei den Polynesiern. Tahitiperlen wurden plötzlich wie Geld gehandelt, denn schließlich wussten die Einheimischen, wie begehrt die Tahitiperlen bei den Europäern und Amerikanern waren.

60 Jahre später, im Jahre 1880, waren kaum noch Tahitiperlen beziehungsweise Perlmuscheln in den Lagunen zu finden. Die Bestände der Tahitiperlen Französisch Polynesien waren erschöpft.

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